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Rüdersdorfer Persönlichkeiten

 

Vorbemerkungen:

 

Die Lebensgeschichten bedeutender Persönlichkeiten tragen stets zur Identitätsstiftung und zum historischen Bewusstsein einer Gemeinschaft bei. Daher soll an dieser Stelle ein Blick zurück auf jene Personen gerichtet werden, die in besonderer Weise mit der Geschichte des Ortes verbunden sind. In den folgenden Kurzbiographien werden Persönlichkeiten vorgestellt, die durch ihr Wirken einen nachhaltigen Einfluss auf die Entwicklung und Bekanntheit Rüdersdorfs ausübten. Einige von ihnen begegnen noch heute als Namenspatronen für Bauwerke, andere sind eher in Vergessenheit geraten. Vielfalt bildete daher ein wichtiges Auswahlkriterium. Um über den Rahmen dieser Publikation hinaus zum Weiterlesen anzuregen, verfügen die Kurzbiographien teilweise über weiterführende Literaturangaben.

 

 

Curt Seydel (* 21.10.1843, † 1899)

 

SeydelCurt Seydel mit Frau Lange, der Frau des

                                                                     Schneidemühlenbesitzers in Schulzenhöhe

 

Curt Seydel war Apotheker und Heimathistoriker. Er übernahm 1879 die Löwen-Apotheke seines Schwiegervaters. Zuvor veröffentlichte er 1870 das Buch „Mitteilungen aus der Geschichte Rüdersdorfs“. Das ist die älteste noch erhaltene Chronik des Ortes. Als Gemeindevertreter reagierte er auf den in seiner Zeit wachsenden Tourismus und regte 1877 die Gründung des Verschönerungsvereins in Kalkberge an. Im Jahre 1894 verzog er nach Berlin-Steglitz. Heute erinnert der granitene Seydel -Stein am gleichnamigen Platz an der Ecke E.-Thälmann-Str./Am Kanal an den einstigen Apotheker, der sich langjährig für die Entwicklung Kalkberges einsetzte.

 

Lit.: Kienitz, Reinhard: Bilder aus dem Leben des Apothekers Curt Seydel.

        In Rüdersdorfer Heimatblätter 2008, S. 10f.

 

 

Max Gasser (* 13.02.1872, † 23.03.1954)

 

 

Gasser

 

Dr. Max Gasser widmete sein ganzes Forscherleben der Luftbildmessung, um aus den Luftaufnahmen Landkarten herzustellen. 1915 ließ er seinen „Doppelprojektor“ patentieren und fand in Kalkberge –Rüdersdorf ein geeignetes Versuchsgelände. Über seine „Aerokarte“ verfasste er 1926 ein Buch. Seine Forschungstätigkeit brachte er in die 1919 in Berlin gegründete „Aerogeodätische Gesellschaft Gasser GmbH“ ein. Sein Rüdersdorfer Büro war in der Schulstraße 2. Neben dem wissenschaftlichen Erfolg blieb ihm auch der wirtschaftliche versagt. Eine 1951 angebotene Ehrenmitgliedschaft in der Deutschen Gesellschaft für Fotogrammetrie lehnte er ab. Er starb 1954 in München.

 

Lit.: Gasser, Max: Die Aerokarte von Kalkberge. Kalkberge 1926

        Bütow, Sascha: In Rüdersdorfer Heimatblätter 2008, S. 12-14.

 

 

 Johanna Elberskirchen (* 11.04.1864 † 17.05.1943)   

 

 

 Elberskirchen

 

Johanna Elberskirchen wurde als Tochter eines Kaufmannsehepaars in Bonn geboren. Für ihre Zeit ungewöhnlich erfuhr sie eine schulische Bildung, die sogar bis zu einem 1891 in der Schweiz begonnenen, aber nicht abgeschlossenen Medizin- und Jurastudium reichte. Schon früh interessierte sich Elberskirchen für feministische und homosexuelle Themen, die sie in Artikeln und selbst verfassten Büchern verarbeitete. Ihre eigene Homosexualität lebte sie offen aus. 1914 lernte sie in Stettin Hildegard Moniac kennen, die bis zum Tod ihre Lebensgefährtin blieb. Gemeinsam zogen beide 1920 nach Rüdersdorf, wo sie ein Haus in der Luisenstraße erwarben. Hier richtete Elberskirchen eine homöopathische Praxis ein. Darüber hinaus engagierte sie sich im SPD-Ortsverein und vertrat offen ihre Gedanken zu „Frauenfragen“. Große Einschränkungen erfuhr sie durch den Machtantritt der Nazis, die ihre Schriften verboten. Gleichwohl praktizierte Elberskirchen bis zu ihrem Tod weiter. Das Grab der Frauenrechtlerin in Rüdersdorf steht heute unter Schutz.

 

Lit: Leidinger, Christiane: Keine Tochter aus gutem Hause: Johanna Elberskirchen (1864 – 1943). Konstanz 2008.

 

 

Friedrich Wilhelm von Reden (* 22.03.1752 † 03.07.1815)

 

 Reden

 

Der in Hameln geborene Friedrich Wilhelm v. Reden war ein Neffe Friedrich Antons v. Heinitz. Von seinem Onkel ist er früh für den Bergbau begeistert worden. 1778 zum Oberbergrat ernannt, hatte er sich im schlesischen Bergbau große Verdienste erworben. 1802 trat er Heinitz‘ Nachfolge an. Reden war bemüht, nun auch in Rüdersdorf die neuesten Bergbautechniken zu etablieren, die er aus Industriespionagereisen in England kannte. Unter Reden wurden so die Rumfordöfen, deren Pläne man gestohlen hatte, weiterentwickelt und als „Rüdersdorfer Öfen“ errichtet. Sie konnten schneller größere Mengen Kalksteins brennen und außerdem mit Torf beheizt werden, was die Brandkalkproduktion zusätzlich verbilligte. Ab 1803 wurden in Rüdersdorf zudem erstmals eiserne und für den Kalksteintransport bestimmte Schienenwege etabliert. Für seine Leistungen im Bergbau ist Reden, der 1807 wegen der Napoleonischen Kriege aus dem Dienst scheiden musste, von König Friedrich Wilhelm II. in den Grafenstand erhoben worden.

 

Lit.: Wittling, Gernot: Der Staat als Innovator im Rüdersdorfer Kalkbergbau während der Frühindustrialisierung. In: Vom Bergbau zum Industrierevier. Hrsg. v. Ekkehard Westermann. Stuttgart 1995, S. 113 – 124.

 


Otto Martin Torell

(* 05.06. 1828 † 11.09.1900)

 

Torell

 

Otto Martin Torell wurde in der schwedischen Hafenstadt Varberg geboren. In seinem Geburtsland stieg er zum Direktor der geologischen Landesanstalt auf. Als Geologe beschäftigte sich Torell insbesondere mit der Eiszeit und dem Problem, wie sie sich verbreitet hatte. Er entwickelte die noch heute gültige Innlandeistheorie, die besagt, dass die Eismassen, von Skandinavien aus kommend, weite Teile Nordeuropas überzogen hatten. Zur Beweisführung dieser Theorie besuchte Torell in Begleitung mehrerer Geologen 1875 Kalkberge-Rüdersdorf. Anhand hier gefundener Gletscherschrammen- und trichter im Kalkstein konnte er seine bis dahin schwer belegbare Theorie auf einer am 3. November 1875 abgehaltenen Sitzung der Deutschen Geologischen Gesellschaft beweisen. Rüdersdorf wurde somit zu einem wichtigen geologischen Beweisort, den der schwedische Geologe noch mehrmals aufsuchte. Torell zu Ehren errichtete der Verschönerungsverein Kalkberge auf dem Arnimsberg einen Gedenkstein, der nach der Tagebauerweiterung in den 1970er Jahren seinen heutigen Standort erhielt.

 

Lit.: Wahnschaffe, Felix: Erinnerungen an Otto Torell. In: Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Bd. 16. Heft 7 (1901), S. 69 – 73.

 

 

Albrecht Graf von Alvensleben

(*23.03.1794 †02.05.1858)

 

Alvensleben

 

Alvensleben wurde in Halberstadt geboren. Nach dem Jurastudium trat er 1817 in den Justizdienst am Berliner Kammergericht ein. 1826 wurde er Kammergerichtsrat und nach kurzer Unterbrechung seines Staatsdienstes berief ihn 1831 der König als Geheimen Justiz- und Vortragenden Rat in das Justizministerium. Von 1835 bis 1842 war er als preußischer Finanzminister auch für den Bergbau zuständig, der eine wichtige Einnahmequelle des Staates war. Als Finanzminister bewilligte er die Gelder für Investitionen, wofür man sich durch Namensgebung eines Bruches in Rüdersdorf bedankte.

Der Alvenslebenbruch, nordöstlicher Teil der Rüdersdorfer Kalksteinvorkommen, wurde 1838/1839 durch Verlängerung des Kanalsystems erschlossen, um den Kalkstein statt mit Fuhrwerken per Schiff abtransportieren zu können. Der Bruch war oft Schauplatz von Staatsbesuchen und Bergfesten. Noch heute finden Schausprengungen zu Bergfesten statt, die sich großer Beliebtheit erfreuen.

Quelle: Wikipedia - Die freie Enzeklopädie

 

 

Otto Plötz (*13.03.1890 †25.11.1938)

 

Attrappe

 

Otto Plötz war von Beruf Schlosser und lebte in der Redenstraße 34. Er war Mitglied der SPD und aktiver Gewerkschafter, Mitglied der Ortsleitung Rüdersdorf der SPD und im Ortsverband des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes (ADGB), Ortskartell Rüdersdorf. Am 25. November 1938 wurde er von SA-Mitgliedern aus dem S-Bahnzug zwischen den Bahnhöfen Bellevue und Friedrichstraße gestoßen, wobei er tödliche Verletzungen erlitt.

Die nach ihm benannte Otto-Plötz-Straße verlief oberhalb der Post parallel zur Straße der Jugend. Die Straße verschwand im Zuge der Teilortsverlagerung Mitte der siebzieger Jahre des vergangenen Jahrhunderts.

 

Friedrich Wilhelm Langerhans (* 16.10.1780 †16.04.1851)

 

Attrappe

 

Langerhans war Stadtbauinspektor in Berlin und wurde 1805 durch König Friedrich Wilhelm III. zu Berlins erstem hauptamtlichen Stadtbaurat ernannt. In diesem Amt wirkte er bis zu seiner Berentung 1849. Er war für die Anlage und Gestaltung von Schulen, Friedhöfen und Parks und den Umbau und die Rekonstruktion vieler Kirchen zuständig. 1850 wurde er als Stadtältester von Berlin geehrt. Auch einige seiner Söhne und Enkel sind als herausragende Persönlichkeiten bekannt.

Das oberste Teilstück der Rüdersdorfer Gewässer, ein 1300 m langer Stichkanal, trägt ihm zu Ehren den Namen Langerhanskanal. Der Kanal verbindet das Industriegebiet Hafen Rüdersdorf mit dem Mühlenfließ.

Quelle: Wikipedia - Die freie Enzeklopädie

Martin Andersen Nexö (* 26.06.1869 † 01.06 1954)

 

Nexö

Bild: Richard Peter sen., Deutsche Fotothek

 

Nexö entstammte ärmlichen Verhältnissen. Er bildete sich ab 1889 an einer Volkshochschule weiter und begann erste Zeitungsartikel zu verfassen. Nach einem Studium an der Askov Volkshochschule absolvierte  Andersen Nexö 1897 das Lehrerexamen und fand eine Anstellung in Odense.  Als Mitglied der DKP wurde er 1941 während der Besatzung Dänemarks durch Deutschland verhaftet. 1943 floh er aus dem Gefängnis über Schweden in die Sowjetunion. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kehrte Nexö zunächst nach Dänemark zurück. Nach mehreren Reisen in die DDR siedelte er 1951 auf Einladung des sächsischen Ministerpräsidenten nach Radebeul über und ließ sich 1952 schließlich in Dresden-Weißer Hirsch nieder. Dort starb er am 1. Juni 1954 im Alter von 84 Jahren.

Er war der erste große Vertreter der ab Beginn des 20. Jahrhunderts an Bedeutung gewinnenden Arbeiterliteratur in Dänemark.

Sein bekanntestes literarisches Werk ist „Pelle der Eroberer“ welches 1910 erschien. Weitere Werke sind unter anderem „Ditte Menschenkind“, „Morten der Rote“, „Sonnentage“, “Zugvögel“, um nur einige seiner Werke zu nennen. Mehrere seiner  Romane wurden verfilmt und mit Preisen ausgezeichnet.

1949 erhielt Andersen Nexö die Ehrendoktorwürde der Universität Greifswald und 1953 wurde er zum Ehrenbürger der Stadt Dresden ernannt.

Quelle: Wikipedia - Die freie Enzeklopädie

 

Ludwig Friedrich Victor Hans Graf von Bülow

(* 14. 07.1774  11. 08.1825)

 

Bülow

Bild: Bauinspektor Julius ?, Kataloge der Museumslandschaft Hessen Kassel, Bd. 39

 

Hans Graf von Bülow entstammte dem mecklenburgischen Uradelsgeschlecht derer von Bülow und war der Sohn des lüneburgischen Landschaftsdirektors Friedrich Ernst von Bülow.

Nach dem Besuch der Ritterakademie in Lüneburg  studierte er 1791 – 1794 an der Universität Göttingen Rechtswissenschaften. Nach Abschluss trat er als Referendar in preußische Dienste und stieg 1805 zum Präsidenten einer Kammerverwaltung auf.

Von 1808 bis 1811 bekleidete er das Amt des Finanzministers Westphalens.

Bülow bemühte sich um die Linderung der Staatsschulden und der Organisation des Steuerwesens. Er wurde vom König aus dem Staatsdienst entlassen und zog sich auf seine Privatgüter zurück.

Von Friedrich Wilhelm III. erneut nach  Preußen berufen, wurde er  in Berlin von 1813 bis zu seinem Rücktritt 1818 preußischer Finanzminister. Seit dieser Zeit war durch Kabinettsbefehl die Generalverwaltung des Salz-, Berg- und Hüttenwesens dem Finanzministerium untergeordnet worden. Damit wurde das Finanzministerium  die oberste Verwaltungsbehörde des Oberbergamtes für brandenburgisch-preußische Provinzen und aller ihnen untergeordneter Bergämter.

In den Jahren 1815/1816 war das neue Kanalprojekt in den Heinitzbruch zur weiteren Erschließung des Kalksteinbruches fertig gestellt worden. Das Königlich Preußische Bergamt Rüdersdorf wollte diesen  neuen Kanal zu Ehren des Bergwerkdirektors der Finanz- und Bergbauverwaltung in Bülow-Kanal benennen. Die feierliche Einweihung mit Namensgebung fand am 24. November 1816 in Anwesenheit des Ministers statt.

Quellen:

Meyers Konversationslexikon 1885-1892

H.  Cramer, Beiträge zur Geschichte des Bergbaues in der Provinz Brandenburg von 1889